Buch-Kritik: Ready Player One von Ernest Cline

Ready Player One – Ein Buch wie aus dem Automaten

Kurz vor dem Start der Verfilmung von Ernest Clines Buch „Ready Player One*“ aus dem Jahr 2010, habe ich das Buch doch nochmal zur Hand genommen und gelesen. Als Geek der 80er und 90er ist es sozusagen eine auferzwungene Pflichtlektüre, nachdem aus allen Ecken des Internets der Ruf nach Kultstatus für dieses Buch bzw. Film ausgerufen wurde. Kultstatus! Für ein 7 Jahre altes Buch! Sagt das nicht alles?

Ja, dies Buch ist eine Ode an die 80er. Aber macht es das zu einem Kult-Buch, wenn es sich nur der Zitate und Reorganisation von bereits zig mal Dagewesenem bedient? Ready Player One (kurz RPO) liest sich wie eine Aufzählung der Erfolgsserien und Mainstrem-Charts des bunten Jahrzehnts und will damit immer nostalgisch, bisweilen gewieft wirken… leider gelingt das nur sehr selten. Das Buch ist schlichtweg unkreativ und absolut massenkonformer Mainstream. Nie wagt es der Autor, Pop-Kultur zu erwähnen, die nicht definitiv  auch dem letzten Mittzwanziger ein Begriff wäre… obwohl die frühestens Anfang der 90er geboren sind! Duran Duran, Zurück in die Zukunft, die Goonies! Ja! All das kennen die heutigen Twins auch… und sei es nur aus 90er-Jahre Filmen über die 80er! Cline hat in RPO kommerziell alles richtig macht und geht keinerlei Risiken ein. Fokussiert auf eine retro-affine Zielgruppe, die eigentlich nie selbst die 80er erlebt hat, aber so tut, als ob sie die Ataris und Nintendos erfunden hätte, ist jedes Kapitel des Buches kalkuliert und durchgerechnet. Die Story wird gemäß tausendmal bewiesener Abfolge in verschiedenen Akten erzählt und abgearbeitet. In keinem Moment stellt sich ein Aha-Effekt oder einen Augenblick der Überraschung ein. Selbst die Rätsel und Quests, die den wesentlichen Teil der Story ausmachen sollen, sind teilweise so weit hergeholt, dass sie allzu konstruiert wirken und den Leser nicht wirklich abholen. Und das immer wieder ürberaschend leidenschaftslos. Das mag sicher auch daran liegen, dass sich das Buch wie eine unendlicher Deus ex machina-Moment liest… ob nun Og aus dem Nichts auftaucht, der kurze und fast beiläufige Crack des IOI-Systems oder die Reprogrammierung eines Roboters, der das Kraftfeld um Anoraks Castle deaktiviert. Alles passiert so larifari, eben mal just, weil es in die Geschichte passt! Es ist, als ob RPO von einer Maschine geschrieben worden wäre, errechnet aus dem lauen Durchschnitt unzähliger moderner und mittelmäßiger Sci-Fi-Romane, optimiert auf Vermarktbarkeit und spezifiziert auf eine retromarketing-affine Zielgruppe.

Auch die Charaktere bleiben flach und Identifikation besteht wohl nur bei sehr stereotypischen Gamern und selbsternannten Geeks, die sich selbst gerne in der Rolle von Ausgestoßen der Gesellschaft sehen, es aber eigentlich gar nicht sind (Dabei frag ich mich immer, wieso man sich denn als Geek immer als Außenseiter betrachten will? Aussenseitertum und Geektum ergeben sich doch nicht kausal!!!). Die Makel, die die Protagonisten als Außenseiter kennzeichnen sollen, sind wohl nur bei Amerikanern Grund zur Ausgrenzung: ein Feuermal! Etwas Übergewicht! Meine Güte!!! Wie schlimm! First World Problems!

Die Dysoptie der Welt von RPO ist auch nicht wirklich mitreißend… auch das haben wir schon alles in einer viel besseren, authentischeren, ehrlicheren Form gelesen. Die Dramaturgie der heruntergewirtschafteten Welt in RPO will sich in diesem Buch nicht einstellen. Selbst die subtile Systemkritik ist so dermaßen einfach, dass sie schon albern wirkt… da das Buch 2010 geschrieben wurde, wirkt die offensichtliche Darstellung böser Unternehmen nicht mal charmant, sondern einfach dämlich und beleidigend banal!

Summa summarum kann man sagen: das Buch ist weder gut geschrieben, noch kreativ. Es liest sich wie die langwellige, heroische Geschichte eines pubertierenden und narzisstischen Autors aus der Ich-Perspektive, der die 80er-Jahre nur aus Filmen über die 80er Jahre kennt. Aber ehrlicherweise es das Buch dennoch amüsant. Es ist wohl eben ein Zeitzeugnis für eine Ära, in der mit ökonomischen und automatisierten Mitteln, also wenig Einsatz maximale Ergebnisse erzielt werden sollen… Solange man eben die Zielgruppe bedient. Schade drum! Und next!

Habt ihr das Buch gelesen? Was meint ihr dazu?

 

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Photocredits: https://pin.it/ouuz67vf4i743y

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